Werk des Monats – Traumsequenz

Es gibt Bilder, die vom Betrachter Besitz ergreifen, so wie die Träume, die wir im Schlaf erleben. „Traumsequenz“ der Künstlerin Anne Klamm ist so ein Werk. Sie hat einen surrealen Traum aus Form und Farbe auf der Leinwand verewigt, der mich vom ersten Augenblick in seinen Bann zog. Bald spürte ich, das Bild überlässt es mir, ihn zu erforschen, gibt mir Raum für Interpretation und Meditation. Es sind weiche, organische Formen, die mit harten, geometrischen korrespondieren. Weibliche und männliche Aspekte, vereint in einer gemeinsamen Illusion. Vielleicht ein Synonym für Gegensätzlichkeit, die sich jedoch bedingt und braucht. Eins ist nichts ohne das Andere. Doch was es eigentlich ist, liegt im Auge des Betrachtenden. Wenn Sie, wie ich, bereit sind sich darauf einzulassen, erscheint bei jedem neuen Anschauen ein anderes Bild, die Interaktion zwischen Werk und dem Betrachter oder der Betrachterin beginnt und bezieht uns in das Geschehen ein. Der Traum strömt von der Leinwand ins Herz. Dort haben wir alle unseren eigenen Raum für Inspiration und Meditation.

Das Gemälde ist das Festhalten eines Moments, im Augenblick erstarrte Bewegung. Die Ebenen überlagern sich in Zeit und Raum. Das Woher und Wohin lässt sich erahnen, doch es kann durchaus auch alles ganz anders sein. Durch das Zusammenspiel ergeben sich immer neue Möglichkeiten und wenn wir in meditativer Einkehr schauen, kann es geschehen, dass der Traum zu fließen beginnt. Die Sequenz hat nichts Bedrohliches, die Formen bedrängen sich nicht, ergänzen sich vielmehr. Gleichwohl können wir sie aber unterschiedlich in Beziehung setzen und so eigene Geschichten erleben. Vielleicht geht es euch wie mir: Ich muss immer wieder vor dem Werk Einkehr halten und träumen. Träumt einfach selbst!

Herzliche Grüße, Holger Danz

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